Lesen · Rezensionen

„Befreit“ von Tara Westover

Werbung, Rezensionsexemplar

 

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Tara Westover

Befreit

Verlag Kiepenheuer&Witsch
Titel der Originalausgabe: Educated
Aus dem amerikanischen Englisch von Eike Schönfeld
ISBN: 978-3-462-05012-7
Erschienen am: 07.09.2018
448 Seiten, gebunden mit SU
Preis Deutschland 23,00 €,Österreich 23,70 €

 

Das sagt der Verlag (Klappentext)

Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre später kann sie eine beeindruckende akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im ländlichen Amerika, befreit sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprägten Welt durch – Bildung, durch die Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten worden war.

 

Das sage ich:

Wow! Dieses Buch hat es in sich.

Tara Westover ist Mormonin. Ich habe mich mit dem Thema bisher nicht umfänglich befasst, ein wenig darüber gehört. Taras Familie, in der sie als jüngste von sieben Kindern aufwächst, ist sehr streng gläubig. Der Vater verachtet alle, die nicht so konsequent glauben und handeln wie er. Er wird als herrisch dargestellt und leidet wohl unter einer psychischen Störung.

Die Mutter ist zunächst eher unterdrückt und hat keinen eigenen Willen zu haben. Sie wird von ihrem Mann gegen ihren eigentlichen Willen dazu gedrängt Hebamme zu werden. Darin geht sie später dann aber auf und nach einem schweren Unfall, bei dem sie eine starke Kopfverletzung davongetragen hat, wird sie zudem nach und nach zu einer Fachfrau für Kräutertränke und Tropfen.

Die Familie lässt sich nicht von Ärzten behandeln und glaubt an die Hand Gottes, die alles richten wird. Und wenn sie es nicht richtet, dann ist das eben Gottes Wille. Dabei kommen in den vielen Jahren schreckliche Verletzungen durch Unfälle und Unvorsichtigkeiten bei allen Familienmitgliedern vor. Keiner darf sich im Krankenhaus behandeln lassen, alle überleben unglaublicherweise dennoch mehr oder minder versehrt.

Taras Bruder Shawn ist einer von ihnen. Er verletzt sich bei einem Sturz von einer vom Vater selbstgebauten Hebebühne sehr schwer und als er wieder soweit hergestellt ist, hat er sich verändert. Damit beginnt für Tara eine harte Zeit. Er terrorisiert, unterdrückt und bedroht sie massiv.

Die Kinder werden nicht zu einer öffentlichen Schule geschickt, weil der Vater sie nicht dem Staat überlassen will. Sie haben teilweise sogar viele Jahre lang nicht einmal eine Geburtsurkunde. Es gibt nur gelegentlich Unterricht zu Hause. Dennoch keimt in Tara der Wille, zu lernen und zur Schule zu gehen.

Sie schafft es mit Hartnäckigkeit und großer Intelligenz sich für einen Platz an einer Hochschule zu qualifizieren. Hier lernt sie plötzlich die echte Welt kennen, lernt etwas über Geschichte, lernt auch sich selbst besser kennen. Dennoch kann sie sich nicht so einfach von ihrer Familie lösen, in der sie nur noch Unterdrückung und Psychoterror kennt.

Sie steht vor der Entscheidung zwischen Familie und Bildung.

Meine Meinung:

Im Original heißt es „Educated – A Memoir“. Die Memoiren der Tara Westover. „Lebenserinnerungen“ also.

Die Schilderungen der Gewalt und Engstirnigkeit und Verblendetheit der Eltern und Geschwister, die Macht, die der Vater und der von ihm propagierte Glaube auf die Familie hat, sind erschreckend. Man kann kaum glauben, dass das alles wirklich so passiert ist. Das jemand das alles überleben kann und dabei noch seinen Weg in dieser Weise gehen kann, wie Tara es geschafft hat.

Taras Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Dabei nicht allein die tollen Abschlüsse und Auszeichnungen die sie erhalten hat, sonder vielmehr die Kraft, die sie hatte, um sich von alldem zu lösen. Und wie sie sie dann zwischendurch doch wieder nicht hatte. Diese Frau hat mit nunmehr 27 Jahren einiges erlebt und einiges vorzuweisen.

Dieses Buch hat mich nachdenklich gemacht und dazu gebracht, noch weiter zu recherchieren und nachzulesen. Es gibt einige Interviews mit Tara, es ist wirklich spannend, die Person, über die man so viel gelesen hat, auch sprechen zu sehen.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich darauf einlassen will, in eine andere Welt hinein gesogen zu werden und vielleicht nicht ganz so unbeschwert wieder herauszukommen, wie er hinein gegangen ist.

5 von 5 Sterne von mir!

Kaufen könnt ihr das Buch im lokalen Buchhandel oder hier!

7 Kommentare zu „„Befreit“ von Tara Westover

  1. Hallo Dani!

    Vielen Dank für die Vorstellung. Also das Buch klingt ja sehr interessant.
    Von der Autorin habe ich noch nichts gehört, werde mir den Namen aber mal notieren.
    Im Moment versuche ich meinen Berg von ungelesenen Büchern abzuarbeiten.
    Das Buch, was ich gerade lese, ist eher leichte Kost zur Unterhaltung…

    Liebe Grüße,
    Natascha

    Gefällt 1 Person

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